Camp 2017 – Das Programm

Für das Camp 2017 haben wir ein Programm mit 7 Vorträgen und 3 Workshops zusammengestellt. Dozenten sind Mitglieder des Montségur Autorenforums, etablierte Autoren und Fachleute der Buchbranche. Die Vortragenden und Workshopleiter werden im Bereich „Autoren & Dozenten“ vorgestellt.

Vorträge dauern jeweils eine oder zwei Stunden, während die Workshops drei bis vier Stunden lang sind. Aus diesem Grund finden stets einige der Vorträge parallel zu einem der Workshops statt. Die Teilnehmer des Camps können frei entscheiden, an welchem der Vorträge oder Workshops sie teilnehmen möchten.

Das Programm als Download: pdf

Samstag, 16. September 2017 – Vormittag

9:00 – 10:00

Erzählen heißt, einen Faden zu spinnen, der die Leser Schritt für Schritt durch eine komplexe und vielschichtige Welt führt – ohne dass Wichtiges ausgelassen wird, ohne dass man sich in Nebenästen oder einem Gestrüpp von Details verliert. Aber wie schafft man es, den Erzählfaden so zu spannen, dass der Text weder gehetzt wirkt noch den Eindruck von Länge oder gar Langeweile erzeugt?
In dem Vortrag wird zunächst kurz das Begriffspaar „Erzählzeit“/“erzählte Zeit“ vorgestellt und an Beispielen erläutert, wie man mit seiner Hilfe das Erzähltempo einer Textpassage analysiert. Danach wenden wir uns typischen Tempo-Problemen aus der Praxis zu und besprechen Methoden, sie zu beheben.
Ziel ist dabei nicht, Patentrezepte zu finden, die auf jeden Roman anwendbar wären, sondern vielmehr, ein Ohr für das Tempo des eigenen Textes zu entwickeln und seinem individuellen, organischen Rhythmus auf die Spur zu kommen.

Dieser Vortrag wird präsentiert von Barbara Slawig.

10:00 – 12:00

Der Weg meines Manuskripts über Literaturagentur und Verlag in die Hände des Lesers.
Anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis erläutert Literaturagentin Andrea Wildgruber Strategien und Hintergründe, um als Autor irgendwann sein gedrucktes Buch in der Buchhandlung stehen zu sehen.

  • Wie findet man eine geeignete Agentur? Wie bewirbt man sich richtig?
  • (Und braucht man wirklich eine Agentur?)
  • Was macht die Agentur mit meinem Manuskript? Wie arbeitet sie?
  • Wie interessiert sie die Verlage für meinen Text?
  • Wie funktioniert eine Auktion? Wie sieht ein guter Vertrag aus?
  • Worauf kommt es in der Zusammenarbeit mit dem Lektor an?
  • Welche anderen Abteilungen im Verlag sind für mich wichtig?
  • Was kann ich als Autor tun, um mein Buch zu promoten?

Dieser Vortrag wird präsentiert von Andrea Wildgruber der Literaturagentur Agence Hoffman.

Foto © Anette Göttlicher

9:00 – 12:00

kupplerIn diesem Workshop werden die drei bekanntesten Modelle zur Entwicklung einer Dramaturgie vorgestellt: der klassische Spannungsbogen, das Drei- bzw. Fünf-Akt-Modell und die Heldenreise.

Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Modellen werden besprochen, und wir werden der Frage nachgehen, welches Modell sich für bestimmte Genres und für welche Autorenpersönlichkeit am besten eignet.

Das Handwerkszeug, das diese Modelle Autorinnen und Autoren an die Hand geben, wird auf seine Anwendbarkeit beim Plotten hin untersucht. Und zwar ganz konkret: In einer Art Writers‘ Room entwickeln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Workshop gemeinsam eine schreibbare Geschichte.

Dabei geht es um folgende Aspekte und Fragen: Was ist der Unterschied zwischen Stoff, Thema und Geschichte? Was versteht man unter Exposition, was unter Handlung, was ist ein Konflikt? Wie sieht ein guter Anfang aus, was genau ist eigentlich der Haken? Wie funktionieren Wendepunkte und was sind keine Wendepunkte? Was bedeutet „Zuspitzung“ und „Unausweichlichkeit“? Was ist ein echter Höhepunkt und wie funktioniert ein überzeugender Schluss?

Dieser Workshop wird geleitet von Lisa Kuppler.

Samstag, 16. September 2017 – Nachmittag

14:00 – 16:00

„Um die Energie aufzubringen, die wir brauchen, wirklich gute Konzepte zu erarbeiten, müssen wir an unseren Stärken ansetzen, nicht an unseren Schwächen. Daher muss das Konzept zu Ihrer Person passen. Muss mit Ihnen stimmig sein, mit Ihren Fähigkeiten und Werten übereinstimmen. Nur so bringen Sie die Kraft und das Durchhaltevermögen auf, ein tragfähiges Konzept zur Reife zu bringen und auch gegen Widerstände durchzusetzen.“ (Günter Faltin: „Kopf schlägt Kapital – Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen – Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein“)

Auch Autoren sind Unternehmerpersönlichkeiten im Faltinschen Sinne. Der Aktionsradius erstreckt sich zwischen betonierten, vom Markt diktierten Beschränkungen einerseits und vielfältigen, individuellen Möglichkeiten andererseits, die man selbst in der Hand hat. Welche Qualifikationen muss man mitbringen, um als Autor professionell zu agieren? Welche Hindernisse müssen überwunden werden, und welche realistischen Möglichkeiten gibt es, um die eigenen Stärken gewinnbringend auszuschöpfen und aus vorhandenem Kapital mehr zu machen?

Dieser Vortrag wird präsentiert von Stefan Wendel.

16:00 – 17:00

tischerSelf-Publishing ist seit langem mehr als nur ein Hype. Self-Publishing hat sich als ernstzunehmender Weg zur Veröffentlichung etabliert, und selbst Verlage suchen mittlerweile unter Self-Publishern nach neuen Talenten. Einige Self-Publisher verdienen mehr als ihre Verlagskollegen. Doch auch für Verlagsautoren kann Self-Publishing ein guter Weg sein, um beispielsweise vergriffene Titel wieder zugänglich zu machen oder Projekte zu realisieren, die der Verlag nicht umsetzen will.

Doch oftmals stellt sich nach den ersten Selbstveröffentlichungen Frust ein, und die Verkaufserfolge sind nicht so, wie erwartet.

In seinem Vortrag zeigt Wolfgang Tischer, was Self-Publishing ist. Worauf man achten sollte und welche Voraussetzungen erfüllt sein sollten, damit Self-Publishing funktioniert. Es geht im Vortrag schwerpunktmäßig um die Themen:

  • Self-Publishing: Ein Blick auf den Markt
  • Die optimale Buchdatei erstellen
  • Hilfe bei Cover, Lektorat und in anderen Bereichen erhalten
  • Website, Facebook und was noch? Wie ist Marketing erfolgreich?
  • Was funktioniert und was nicht?
  • Kurztest: Eignen Sie sich zum Self-Publisher?

Dieser Vortrag wird präsentiert von Wolfgang Tischer.

14:00 – 18:00

wuest

Im Mittelpunkt dieses Workshops steht die Figur: Anlage, Motivation, Konflikte und Entwicklungsbogen. Ich zeige auf, wie man mit einem psychologischen Diagnose- und Arbeitstool authentische Figuren erschafft und ihre Entwicklung organisch mit dem Plot verknüpft. Wir lernen verschiedene Entwicklungsbögen kennen und besprechen, welches Modell sich für eine spezifische Geschichte eignet. Grundlage dieses Workshops ist die Transaktionsanalyse, ein psychologisches Erklärungsmodell für menschliches Verhalten und wichtiges Analysetool für Psychologen und Coaches.

Workshop-Inhalte:

  • Egogramm & Lebensskript: Wie man ein komplexes und authentisches Figurenprofil erstellt.
  • Figurenprofil: Das Wachstumspotential der Figur und wie man es mit der Story verknüpft.
  • Story: Wie man anhand des Figurenprofils Konflikte und Wendepunkte erkennt.
  • Sympathie, Empathie, Identifikation: Der Leser und die Figur.

Die psychologischen Konzepte werden mittels Theorie, einem Filmbeispiel und praktischer Gruppenübungen gezeigt. So können die Konzepte am eigenen Leib erfahren werden, Aha-Erlebnisse und viel Spass sind garantiert.

Dieser Workshop wird geleitet von Bettina Wüst.

Sonntag, 17. September 2017 – Vormittag

10:00 – 11:00

brendlerSeit der Antike sind Philosophen und Wissenschaftler dem Geheimnis des Humors auf der Spur, auf Humorkongressen wird bierernst nach der Natur des Witzigen geforscht. Zu einer endgültigen Definition ist es noch nicht gekommen, dafür zu einer Erkenntnis: Mit Humor lässt sich Geld verdienen. Längst ist eine gigantische Spaßindustrie entstanden, und auch die Verlage fordern vermehrt Heiteres quer durch alle Genres von der Beziehungskomödie über spleenige Tiere bis zum komischen Mord.

Im Vortrag möchte ich speziell auf humoristische Anforderungen beim Romanschreiben und die folgenden Themen eingehen:

  • 50 Shades of Humor: Gattungen, Genres, Abstufungen.
  • Welche Form von Humor ist für welchen Roman geeignet?
  • Figuren und Figurenorchestrierung.
  • Humor und Perspektive.
  • Techniken: Formen von Gags, Gagaufbau. Timing, Setting, Requisiten, Situationen.

Dieser Vortrag wird präsentiert von Claudia Brendler.

11:00 – 12:00

Für die meisten Autoren ist das Schreiben eines Exposés so unangenehm wie der Gang zum Zahnarzt, und das nicht nur für Einsteiger. Auch erfahrene Autoren hadern immer wieder damit.

Dieser Vortrag beschäftigt sich damit, was ein Exposé eigentlich ist, wer es lesen wird und was es leisten muss. Warum fällt es uns so schwer, 300 oder 600 Seiten Roman auf nur wenige Seiten einzudampfen, und wie kann man lernen, die Essenz seiner Geschichte zu erkennen und wirksam zusammenzufassen? Wir schauen uns einige Beispiele an und werden das ganze Thema mit Hilfe eines Kataloges von grundlegenden Fragen so strukturieren, dass das nächste Exposé erheblich leichter von der Hand gehen sollte.

Dieser Vortrag wird präsentiert von Andreas Wilhelm.

12:00 – 13:00

Autor_innen, die mit dem Schreiben in der Ich- bzw. Er/Sie-Perspektive kämpfen, entscheiden sich manchmal für die vermeintlich leichter zu schreibende, auktoriale Erzählperspektive. „Da darf ich alles“, hört die Lektorin dann. Nicht immer, aber sehr oft entstehen langweilige, dozierend-distanzierte Texte, die wenig Leseridentifikationen erlauben. Gleichzeitig kursieren Aussagen wie „Wer Genres wie Fantasy und historischer Roman schreibt, braucht die auktoriale Perspektive“. Doch was ist eigentlich auktoriales Schreiben? Wie sehen starke, funktionierende auktorial geschriebene Texte aus? Gibt es „Regeln“ beim auktorialen Schreiben? Und für welche Art von literarischen Texten eignet sich der auktoriale Erzähler am besten?

Dieser Vortrag wird präsentiert von Lisa Kuppler.

10:00 – 13:00

jolanderDurch die moderne Hirnforschung erlebt das alte psychoanalytische Konzept des Unbewussten eine Renaissance. Hatte es früher die Anmutung eines düsteren, spinnwebverhangenen Kellers, wird es heute eher als leistungsfähiger Riesenkonzern mit unzähligen hochmotivierten Mitarbeitern gesehen, deren meist ziemlich ignoranter Chef wir sind.

Dabei kann es uns helfen, unser Leben – gerade auch als Autoren – weniger anstrengend und das Verhältnis zu uns selbst erheblich entspannter zu gestalten.

In diesem Workshop wechseln Erläuterungen dessen, was die moderne Hirnforschung zum Thema Bewusstes und Unbewusstes zu sagen hat, mit Übungen in Kleingruppen.

Als Teilnehmer erfahren Sie u.a.:

  • Wie Sie sich optimal auf kreative (z.B. Plotten, Figurenentwicklung) oder auf analytische (z.B. Timeline erstellen, Überarbeiten) Aufgaben vorbereiten
  • Wann speziell Ihr Gehirn für welche Aufgaben am fittesten ist
  • Warum die spektakulärsten Ideen oft im Schlaf kommen
  • Wie Sie einen zu strengen inneren Zensor ausschalten
  • Wann Prokrastinieren gut ist – und wann nicht
  • Wie Sie am besten Entscheidungen treffen und Gewohnheiten ändern

Dieser Workshop wird geleitet von Andrea Jolander.